Dienstag, 1. Mai 2007

Achtsam wahrnehmen, achtsam werden?

Achtsamkeit macht sensibel

Damit bin ich bei einem wichtigen Merkmal von Achtsamkeit: Menschen verfügen über innere Sensoren, mit denen sie wahrnehmen, was um sie herum geschieht. Jeder von uns lebt im Feld seiner Wahrnehmung und gestaltet dieses. In ihm lebt alles, was uns wichtig und achtenswert ist. In erster Linie sind das Erwachsene und Kinder, alte und junge Menschen unserer Gemeinde, aber auch Tiere, Blumen, Bäume, Büsche oder Gegenstände, die zur Wohnung gehören. Dabei begegnen wir den Objekten, die wir lieben, mit der grössten Achtsamkeit, weil der Umgang mit ihnen uns immer wieder die Möglichkeit gibt, mit unserem Inneren in Kontakt zu kommen.

Achtsamkeit kann in die Tiefe führen und verbindet mein Inneres mit meinem alltäglichen Tun. Diese Erfahrung der Tiefe wird als etwas sehr Schönes erlebt, weil dann Innen und Aussen im Einklang sind. Ich bin mit mir im Einklang. Jede von uns hat ihre bevorzugten Verrichtungen im Alltag, wo sie spürt, da bin ich ganz bei mir. Für mich geschieht das, wenn ich mich mit den Blumen in der Wohnung beschäftige. Da fliesst die besondere Energie der Achtsamkeit, aber auch beim Malen und beim Kochen. Wer ein Musikinstrument spielt, weiss, wie viel Achtsamkeit nötig ist, um sich mit seinem Instrument immer wieder abzustimmen.

Achtsamkeit gilt auch als wesentliche Voraussetzung für eine korrekte Abfallentsorgung. Nur wer den Bezug zur Umwelt erkennt und sich der unterschiedlichen Wechselwirkungen bewusst ist, kann die Bedeutung des Themas nachvollziehen und sieht darin eine dauerhafte Aktualität. Auch die eigene Beziehung und Einstellung zum Abfall wird dann sensilbel wahrgenommen und ein im-Einklang-sein angestrebt. Nur so wird eine umweltbewusste Abfallensorgung gewähleistet und eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht.

Obwohl ich die Idee mit dem Post-it-Zettel mit grosser Neugierde umgesetzt habe und meiner Achtsamkeit bewusster geworden bin, sehe ich diese Methode nicht als langfristig erfolgreiche Lösung für unser Umweltproblem. Die Erinnerung verhilft dem Menschen zu einem bewussten Wahrnehmen seiner Handlungen und Auswirkungen auf die Umwelt, ändert aber keine Einstellungen. Wer nämlich gegen eine Abfalltrennung ist, befindet sich auch ohne umweltfreundliche Abfallentsortung mit sich selbst im Reinen. Der Ansatzpunkt ist hier nicht das Vergessen sondern das Setzen von Prioritäten. Nur wer sich mit der Umwelt gleichsetzt, erklärt sich zu einer wohlwollende Haltung gegenüber der Umwelt bereit.

Céline Huber LGA

1 Kommentar:

Stascha hat gesagt…

Ich bin mit dir einverstanden, dass die Post-It-Idee keine langfristige Lösung für das Umweltproblem ist. Das wäre zu einfach. Aber ich denke, Umweltbewusstsein ist nicht nur Einstellungssache, sondern oft einfach nur Faulheit. Es ist viel bequemer, alles in den gleichen Kübel zu werfen, anstatt den Abfall zu trennen. Oder beim gemütlichen Picknick möchte man nicht noch lange einen Abfallkorb suchen, sondern lässt die Überbleibsel einfach liegen. Traurig aber wahr. Ich mag mich an die Sonntage als Kind erinnern, wo wir mit dem Velo der Thur entlang gefahren sind.Bei jedem Feuerplatz verging einem die Lust aufs Bräteln. Einfach nur, weil da jemand zu faul war, seinen Dreck weg zu räumen. Und das sind meistens diese Leute, die sich furchtbar aufregen, wenn sie eine verdreckte Feuerstelle antreffen...

Stéphanie Aschmann, LG A