Unser tägliches Leben besteht aus unzähligen Vernetzungen. Produkte, die wir im Alltag kaufen, werden irgendwo hergestellt, transportiert, verkauft und teilweise sogar wieder weiterverschenkt. Somit steht alles miteinander in einem Zusammenhang und diese Produkte gehen durch verschiedene Hände. Sobald wir uns Gedanken darüber machen, merken wir wie alles in einer Beziehung zu einander steht und vor allem wie komplex das Ganze zu fassen ist. Diese Vernetzungen und Beziehungen sehen wir häufig als selbstverständlich an und unsere Gedankengänge sind nicht immer sehr weitläufig. Wir kaufen die Produkte mehr oder weniger selbstverständlich und in den meisten Fällen überlegen wir uns nicht, woher sie kommen und wer alles daran beteiligt war.
Diese Woche habe ich auf verschiedene Vernetzungen des Alltages geachtet. Mir ist dabei schnell aufgefallen, wie weitläufig und umfassend diese Verbindungen und Beziehung sind. Ich möchte versuchen anhand von mehreren Beispielen zu veranschaulichen, was mir in dieser Woche besonders aufgefallen ist. Heute Morgen hat mich mein Radiowecker aus dem Schlaf geholt. Der Moderator, der schon früh aufstehen musste, weckte mich mit seinen Worten. Mir ging dann durch den Kopf, dass ich meinen Wecker vor einigen Jahren auf den Geburtstag geschenkt bekommen habe. Meine Eltern haben ihn in einem Fachgeschäft gekauft. Dort traten sie mit den Angestellten des Elektrogeschäftes in Kontakt. Sie wurden von einer Fachperson persönlich beraten. Der Radiowecker hat vermutlich schon eine weite Reise hinter sich, denn er wurde sehr wahrscheinlich in einem anderen Land hergestellt und von dort aus in die Schweiz transportiert. Bei diesem Prozess waren zahlreiche Leute beteiligt, die alle in einer Beziehung stehen. Der Radiowecker ist an den Strom angeschlossen, den wir beziehen. Im Haus mussten zudem Steckdosen montiert werden, damit ich meinen Wecker einstecken kann.
Gestern wurde mir wieder einmal bewusst, wie viel Abfall ich jeden Tag produziere. Am Mittag ging ich in der Migros einkaufen. Ich nahm dort die verschiedenen Kunden und Kundinnen wahr, die selbstverständlich ihre Ware in den Einkaufskorb legten. Ich habe ein Sandwich und ein Joghurt gekauft. Dann ging ich zur Kasse und legt es auf das Band. An der Kasse kam ich mit der Kassiererin in Kontakt, die mich freundlich begrüsste. Ich bezahlte und ging nach draussen. Auf dem Weg zur PHR ging mir folgendes durch den Kopf: Das Brot des Sandwichs wurde vermutlich in einer Grossbäckerei hergestellt. Die Zutaten, die dafür notwendig waren, bekamen die Angestellten von einem Lieferanten. Somit konnte das Sandwich hergestellt werden. Die Verpackung wird separat hergestellt. Dafür braucht es sehr wahrscheinlich Maschinen, aber auch wiederum Personal. Mein Sandwich wurde dann an die Migros ausgeliefert, damit es dort verkauft werden kann.
Nachdem ich das Sandwich und das Joghurt am Mittag genussvoll gegessen habe, habe ich den Abfall in einen Eimer geworfen. Dort gelangt er in einen grossen Kehrichtsack. Dafür ist der Hausabwart der PHR zuständig. Wenn der Kehrichtsack voll ist, wirft ihn der Hausabwart in den Container. Dieser wiederum wird von den Männern der Müllabfuhr abgeholt und in die Kehrrichtverbrennungsanlage gebracht. Für den Transport brauchen sie ein spezielles Auto, das bei einer Autofirma gekauft werden musste. Das Auto muss regelmässig getankt werden und daran sind auch wieder verschiedene Menschen beteiligt.
Mir ist bewusst, dass diese Beispiele noch weiter ausgedehnt werden können. Die Vernetzungen des täglichen Lebens sind so weitläufig, dass wir uns einen ganzen Tag darüber unterhalten könnten und kaum zu einem Ende kämen……
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
Ich gebe dir völlig recht. Wir gehen einkaufen und nehmen die Lebensmittel aus den Regalen, legen sie in den Einkaufswagen und bezahlen an der Kasse. Dabei überlegen wir uns gar nicht, wer alles daran beteiligt war. Es ist einfach selbstverständlich, dass alles so fix und fertig in den Regalen liegt und wir es mitnehmen und bezahlen können. Dabei haben viele Menschen dazubeigetragen, dass wir dieses oder jenes Produkt kaufen können. Diese Menschen mussten teilweise hart arbeiten und vielfach nicht unter den angenehmsten Bedingungen. Manchmal
könnte es darum von Wichtigkeit sein, einen genauen Blick auf das Produkt zu werfen.
Martina Schnelli
Ich mache für unser Verhalten vor allem den hohen Lebensstadart verantwortlich. Wir sind an unser Luxusleben gewöhnt uns schätzen dabei leider nicht mehr die "Kleinigkeiten", die uns den Alltag verschönern. Diese Tatsache stimmt mich immer wieder traurig, vor allem wenn ich die Hungersnot in anderen Ländern mitverfolge.
Kommentar veröffentlichen