Montag, 7. Mai 2007

Wenn ich es mir so überlege, kann ich keinen Schritt tun, ohne dass ich mit etwas oder jemandem in Beziehung trete. Angefangen beim Verlassen des Hauses, muss ich am Morgen schon mit den Strassen und deren Benutzer in Beziehung treten, damit ich sie überhaupt überqueren kann. Später bin ich auf den pünktlichen Transport mit der Bahn angewiesen. Irgendwann muss ich etwas essen, und da muss ich mit der Migros oder der Mensa in Beziehung treten. Die Leute dort stellen also mein Mittagessen bereit. Doch dieses Essen "wächst" ja dort nicht einfach, sondern muss vorher auch eingekauft werden. Bevor es aber eingekauft werden kann, wird es geliefert. Damit dieses Essen aber geliefert werden kann, muss es von irgendwo auf dieser Welt geerntet, abgepackt und transportiert werden. Dazu braucht es einen Haufen von Leuten, welche diese Arbeit für mich machen, damit ich pünktlich um 12 Uhr mittags mein Essen kriege. Eigentlich Wahnsinn, was alles hinten herum abgeht, ohne dass man sich diesen Aufwand eigentlich bewusst ist.

Jetzt bin ich beim Essen stehen geblieben. Zum Essen gehört aber auch das, was davon übrigbleibt, nämlich der Abfall. Ich werfe ihn in den Abfallkorb. Da muss ich mit meiner Umwelt in eine Beziehung treten, damit ich den Abfall so umweltfreundlich wie möglich entsorgen kann. Was aber nach dem Einwurf in den Kübel passiert, habe ich mir gar nicht wirklich überlegt. Ja es wird wohl einer kommen, und den Abfallkorb leeren. Ganz so einfach ist es doch nicht. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die den Abfall für mich weiterverwerten und abbauen. Nachdem ich ihn in den Kübel geworfen habe, geht der Verwertungsprozess erst richtig los. Jemand muss ihn abholen und in die entsprechende Sammelstelle (meistens die KVA) bringen. Dort gibt es Menschen, die wissen, wie man mit den Abfallbergen umgehen muss, damit sie kleiner werden, aber unsere Umwelt nicht allzusehr verschmutzen. Ist ja eigentlich eine grosse Leistung wenn man bedenkt, was für Abfallberge da wohl täglich angeschleppt werden.

So gesehen funktioniert tatsächlich nichts, ohne dass nicht einen Haufen von Leuten tagtäglich damit beschäftigt ist, uns das Leben so erträglich und bequem wie möglich zu machen. Was wäre ich ohne Strom? Was wäre mein Laptop, auf welchem ich diesen Post gerade schreibe, ohne Strom? Wahrscheinlich wäre er ein Blatt Papier und ich sehr frustriert, dass ich die Fehler, die ich schreibe, nicht einfach wieder löschen kann. Also ich sehe, ohne Strom geht gar nichts. Und woher kommt er? Na aus der Steckdose natürlich.

Nun, ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Er kommt von weiter her, von einem Ort, wo ein Haufen Menschen tagtäglich dafür arbeiten, dass ich den Strom aus der Steckdose bekomme. Die Geschichte geht so weiter, mit allem und jedem, was ich für meinen Alltag benötige. Ich muss immer wieder mit Personen, Dingen oder der Umwelt in Beziehung treten, damit ich mein Leben leben kann. Es ist auch gut so, denn diese Beziehungen wirken gegenseitig. Ich profitiere, gebe dafür aber auch etwas ab, sei es Geld oder eine Gegenleistung.

Bis jetzt hat es funktioniert.

Stéphanie Aschmann, LG A

7 Kommentare:

Carina hat gesagt…

Inspiriert von deiner Aufzählung, mit wem du heute schon alles eine vernetze Beziehung eingegangen bist, wollte ich unbedingt auch eine solche mit dir eingehen. Ich vernetze micht jetzt zwecks MNW-Kriterien-Erfüllung mit deinem Post und hinterlasse meine Spuren.
Vielleicht sind wir ja heute eh schon irgendwie - indirekt -vernetzt gewesen. Vielleicht hast du das letze Brötchen in der Mensa genommen, das dann mir gefehlt hat? Oder vielleicht habe ich so lange den Kopierer besetzt, dass irgendeine Kollegin von dir nicht mehr rechtzeitig an einem Treffpunkt war? Wäre ja alles möglich.
Irgendwie ist ja eh jeder mit jedem über Irrwege vernetzt und wir sind trotzdem jedes Mal darüber erstaunt ("Was, den kennst du auch?"). Daher seien wir uns bewusst: wir sind nicht allein! ;o)

Yvonne hat gesagt…

Es ist eindrücklich, wenn man sich das überlegt, was hinter alltäglichen Dienstleistungen steckt. Viel zu wenig ist uns das bewusst – es funktioniert meistens. Erst wenn ein Glied in der langen Kette ausfällt, müssen wir uns überlegen, wie damit umzugehen ist. Die moderne Leistungsgesellschaft fordert laufend neue Dienstleistungs- und Produktionsketten. Du hast den Abfall angesprochen, dieses Beispiel möchte ich kurz aufgreifen. In den Läden finden sich mehr und mehr fixfertig zubereitete Mahlzeiten, die nur noch schnell in der Mikrowelle erwärmt werden müssen. Wer hat denn in der heutigen Zeit noch Zeit selber zu kochen? Dieser Trend hat selbstverständig wieder neue Arbeitsplätze geschaffen, in der Fabrikation und auch in der Entsorgung des damit noch mehr ansteigenden Abfallberges.
Yvonne Stolz, LG 04E

cast hat gesagt…

Als ich deinen Post gelesen habe ist mir spontan dieser schöne Spruch in den Sinn gekommen: "Es isch emol en Maa gsi, de het en hohl Zah gha und i dem Zah häts äs chästli gha und i dem Chästli hets es zäteli gha und uf dem Zäteli isch gstande: Es isch emol..." naja, es wissen glaube ich alle wie es weiter geht... Es ist schon unglaublich wie weit die Vernetzungen bestehen! Irgendwo beginnt irgendetwas und es endet irgendwo... Wirklich? Könnte man da nicht analog der Frage "Was war zuerst: das Huhn oder das Ei?" sagen, dass Vernetzungen keinen Beginn und kein Ende kennen?

Isabelle Brülisauer hat gesagt…

hey ste

so ähnlich ist es mir auch gegangen. ich fand es recht verblüffend, wie vernetzt wir in der heutigen zeit sind. ich habe das gefühl, ich bin in ein sehr komplexes system eingebunden, in welchem nichts funktioniert ohne das andere...

Miracle hat gesagt…

Auch ich habe mir beim posten diese Woche über all die vielen Vernetzungen Gedanken gemacht. Ich staune, wie selbstverständlich viele Dinge für uns sind und wie viel eigentlich dahinter steckt. Wie du aber auch in deinem Post schreibst, sind wir uns dessen nur höchst selten bewusst.
Beim lesen deines Posts wurde mir zum Teil beinahe schwindlig, da an jeder noch so kleiner, selbstverständlichen Handlung von mir ein riesiger Rattenschwanz von Leuten beteiligt ist. Für micht ist es sehr schwierig, mir all diese Vernetzungen und Beziehungen stehts bewusst vor augen zu halten.

avenira2 hat gesagt…

Es ist wirklich eindrücklich, wie alles miteinander vernetzt ist. Egal was ich tue, kaufe, trage,ect... immer stehen weitere Leute dahinter. Daraus könnte man fast schliessen, dass wir eigentlich nichts selbständig machen können. Ok, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Jeder Mensch hat seine Begabungen und setzt sie in einem oder mehreren Bereichen ein. Somit ergänzen wir uns gegenseitig und profitieren natürlich auch davon.

avenira2 hat gesagt…

Es ist wirklich eindrücklich, wie alles miteinander vernetzt ist. Egal was ich tue, kaufe, trage,ect... immer stehen weitere Leute dahinter. Daraus könnte man fast schliessen, dass wir eigentlich nichts selbständig machen können. Ok, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Jeder Mensch hat seine Begabungen und setzt sie in einem oder mehreren Bereichen ein. Somit ergänzen wir uns gegenseitig und profitieren natürlich auch davon.